Telegraphietechnik

Das Telegrafie-Regal
Ausschnitt aus dem Bereich Fax- und Schreibtechnik.

Das Bedürfnis der Menschen, über weite Entfernungen Informationen auszutauschen ist sehr alt. Hier wurde der Name MORSE zum Synonym für die Telegraphie schlechthin. Um 1838 entstanden die ersten Verkehrstelegraphen.

Morseschreiber (1876)

Bereits im dem Büchlein "Der technische Telegraphendienst" aus dem Jahre 1876 ist ein Morsetelegraph als Federzeichnung abgebildet. Unten wird ein Nachfolgemodell (Eisenbahntelegraph, um 1900) aufgeführt. Das bestechende an dieser Technik ist die verblüffende Einfachheit der Funktion.
Wenn Sie den schönen Telegraphen im Holzkasten von S.A. HASLER (Bern) größer sehen möchten, klicken Sie einfach auf das Bild.

Fotografie eines Morsetelegraphes um 1900

Dieser Telegraph stammt aus der Zeit um 1900. Kommunikation per Kabel lief vor über 100 Jahren noch sehr gemächlich. Die Zeiten waren ruhig und Hektik kein Thema.

Fotografie eines Morseempfängers

Hier die seitliche Ansicht des Morse-Empfängers. Die Anlage ist im Museum an einen Lochstreifen-Morsesender der 60er Jahre angeschlossen.

Faxtechnik, Bildtelegraphie

Die Faksimile-Telegrafie zählt zu den ältesten Telegrafietechniken. Von der Faszination, Bilder, Zeichnungen und Schriftstücke zu versenden begeistert, wurde bereits 1843, 33 Jahre vor Einführung des Telefons, von Alexander Bain ein Vorschlag für einen "Kopiertelegraphen" gemacht. Im Jahre 1865 kam es zu der ersten praktischen Anwendung. Zwischen Paris und Lyon wurde über eine Entfernung von 400 km "fernkopiert".

Der erste in Serie hergestellte Bildtelegraph (Fultograph) kam bereits 1929 auf den Markt. Dieses Gerät wäre allerdings nur mit erheblichem Aufwand noch zu betreiben.
Die ersten praktikablen Faxgeräte waren eine deutsche Erfindung: Das Normalpapierfax von Siemens-Hell, Bj. 1956 mit Röhrentechnik, ist noch voll funktionsfähig. Gemächlich und durchschaubar dauert eine Faxübertragung (DIN A5) etwa 4 Minuten. Mit ihm könnte man theoretisch sogar mit Hilfe einiger Tricks ein Fax in Farbe übertragen!

Fotografie des Fultographs von Otho Fulton

Der Fultograph ist ein von dem Engländer Otto Fulton 1929 entwickelter "Bildfunkempfänger". Im Gegensatz zu dem Bildtelegraphen, der über Leitungen kommunizierte, konnte der Bildfunkempfänger über Sender, die gerade erst für den Rundfunk entwickelt wurden, betrieben werden.
Der folgende Text wurde einer unbekannten Quelle (ca. 1930) entnommen und demonstriert eine Zeit, die für heutige Leser wie die einer fremden Welt erscheint:

"Wer hätte nicht schon oft beim Anhören einer packenden Rundfunkübertragung aus der Oper oder beim Genuß eines Sendespieles den Wunsch empfunden, das Dargebotene nicht nur mit den Ohren, sondern auch mit den Augen zu erleben; wie oft hat man es bedauert, auf die eigene Einbildungskraft angewiesen zu sein und nicht auch gleichzeitig die Vorgänge sehen zu können, die in naturgetreuer Wiedergabe an des Hörers Ohr dringen ? Die Erfüllung dieses Wunsches, die durch das Fernkino möglich wäre, scheitert nicht nur an der technischen Kompliziertheit des Problems, vielmehr ganz besonders an den enormen Kosten, die eine derartige Apparatur verursachen würde. Es ist nun eine geradezu unschätzbare Errungenschaft, daß jeder Besitzer eines guten Rundfunk-Apparates in die Lage gesetzt ist, wenigstens eine Vorstufe des Fernkinos sein Eigen zu nennen, und zwar einen Bildfunkempfänger, der ihm schöne und haltbare Bilder aus dem Äther fängt. Die Rundfunk-Sendestation kann künftig ihre akustischen Darbietungen illustrieren, kann Szenenbilder von Aufführungen, Porträts von Künstlern, Erläuterungen zu Vorträgen, Illustrationen zu den Tagesberichten, Skizzen sportlicher Ereignisse, Wetterkarten, Preisrätsel u.a.m.
auf einfache Weise zum Gegenstand der Rundfunksendungen machen, und alle Besitzer des geeigneten Apparates können ohne technische Vorkenntnisse, ohne Dunkelkammer diese Bilder empfangen, die in wenigen Minuten in leuchtend brauner Farbe vor ihren Augen entstehen und sofort in dauerhafter Form fertig sind. Die einfache Apparatur, die diese Wunder vermittelt, wurde in aller Stille von einem englischen Erfinder, dem Kapitän Otho Fulton, zu dieser Vollkommenheit durchgebildet, und man wird in kurzem schon in den meisten europäischen Ländern regelmäßige Bildsendungen durchführen, so daß der Besitzer des "Fultograph" - so nennt Fulton seinen Bildempfänger - ein internationales Bildsendeprogramm bei sich zu Hause aufnehmen kann. Die Bilder sind originalgetreu, deutlich und gefällig, außerdem durch ihre Körnung von besonderer künstlerischer Wirkung. Die Übertragungszeit für ein Bild im Format 9x12 Zentimeter beträgt 3-5 Minuten."

Zu einer Vorstufe des Fernkinos entwickelte sich der Fultograph nicht, aber immerhin wurde die Vorhersage wahr, dass Wetterkarten per Funk gesendet und empfangen werden konnten.
Die mit einem chemisch präparierten Papier überzogene, sich drehende Walze wurde spiralförmig durch einen aufgesetzten "Schreibstift" (Tabulator) abgetastet. So konnte ein elektrischer Strom vom Stift über das Papier zur Walze im Rhythmus der Bildinformation fließen. Das Bild entstand damit quasi per Elektrolyse.

 
Fotografie des SIEMENS Faxgerät KF 106

Sehr seltenes Siemens (HELL) Faxgerät KF 106.

Dieser "Fernkopierer" wurde ca. 1954/55 hergestellt. Das Tinten-Schreibsystem war schon ausgereift und wurde unverändert im Nachfolgemodell übernommen. Die Übertragungsfläche ist etwas kleiner als DIN A5. Doch die Servicefreundlichkeit des gewichtigen Gerätes (27 kg) entsprach nicht dem Niveau von Siemens. Das KF 106 war ein "Lehrstück" denn schon 1956 folgte eine wesentliche Verbesserung mit dem Modell KF 108.

Fotografie des SIEMENS Faxgerät KF 108

SIEMENS Faxgerät KF 108 (Bj. 1956).

Das Faximlie-Gerät KF 108 arbeitet nach dem ähnlichen Prinzip wie der Fultograph. Anstelle der elektrochemischen Aufzeichnung wird hier über eine aufwendige Mechanik mit Hilfe eines rotierenden Saphirröllchens Tinte auf das gewöhnliche Schreibpapier gebracht.
Ein KF 108 wird selbst dann noch Faxe übertragen können, wenn die Geräte der Neuzeit längst funktionslos im Sondermüll entsorgt werden. Es ist aber nicht kompatibel zu heutigen Faxgeräten. Siemens baute das Gerät in einer typisch deutschen Solidität: Alles kugelgelagert verwindungssteif und reichlich überdimensioniert. Die Wegwerfmentalität hatte sich noch nicht etabliert.
Wie man die Information auf der Walze mit einem PC abbilden kann, erfahren Sie hier.

Ein weiteres Wetterkartenfax von 1963 besteht aus 90 kg schöner Technik mit Elektronenröhren. Wetterämter konnten in den 60igern über einen Langwellensender die aktuelle Wetterkarte (größer als DIN A 3) empfangen.
Wie mühsam es in den 60iger Jahren war, Fax-Zeichnungen in der Größe DIN A2 zu erzeugen und wie skurril die Realisierung ist, zeigt der Hellfax-Blattschreiber BS 110. Dieses Gerät wurde zum Empfang von Wetterkarten per Funk verwendet. Aufschluss über die Arbeitsweise des HELLfax bietet die Grafik zur Funktionsweise des HELLfax.

Fotografie vom Hellfax-Blattschreiber BS 110 (geschlossen) Fotografie vom Hellfax-Blattschreiber BS 110 (geöffnet)

Hellfax-Blattschreiber BS 110.

Fernschreibtechnik

"Ohne Worte". Was es mit dieser merkwürdigen Anordnung auf sich hat können wir Ihnen nur im technikum29 vorführen!

Der ratternde Fernschreiber bestimmte Jahrzehnte das Bild der schnellen Nachrichtenübermittlung. 1930 erstmals von Siemens & Halske vorgestellt, wurde er am 16. Oktober 1933 von der Deutschen Reichspost eingeführt. Die erste amtliche Verbindung bestand zwischen Berlin und Hamburg. Für das Fernschreib- Telexnetz mussten separate Leitungen verlegt werden.
Von 21 Teilnehmern 1933 stieg die Zahl auf 1500 im Jahre 1939 und schließlich auf über 90.000 um 1975. Der mechanische Fernschreiber wurde nun auf elektronische umgestellt (Telex). Diese sichere und stabile Nachrichtenübermittlung findet sogar heute noch in einigen Entwicklungsländern Anwendung.

Fernschreiber

Siemens Fernschreiber ca. Bj. 1952

Dieses Gerät war authentisch der erste Fernschreiber des Zeitungsverlages "Darmstädter Echo". Unten ist ein Lochstreifen-Sender zu sehen. Mit ihm konnte man vorher langsam geschriebene Texte schnell versenden, ähnlich wie heute eine SMS erzeugt und gesendet wird. Die Anlage ist natürlich noch voll funktionsfähig. Im Rahmen des Experimental-Workshop kann man mit diesem Gerät und einem Lorenz-Fernschreiber Chatten.

Fernschreiber

5-Bit-Fernschreibcode Bild vergrößern

Diesen sehr großen (70cm x 60cm) und schönen "Decoder", der den 5-Bit-Code in das internationale Telegrafenalphabet übersetzt, haben wir vor der Entsorgung an einer Technischen Universität gerettet.
Er ist von den dortigen Werkstätten ca. in der Zeit zwischen 1937 und 1949 als aufwändiges Demonstrationsgerät für Vorlesungen und Praktika gebaut worden.
Man stellt eine beliebige 5-Bit-Zahl an den groß dimensionierten Schaltern ein, dreht die Codierscheibe und erhält an einer bestimmten Stelle das dazugehörige, oben aufleuchtende Zeichen. Hier würde z.B. bei der Einstellung 10101 der Buchstabe "Y" leuchten.
Was damals fortschrittliche Nachrichtentechnik war, dient heute im technikum29 als sogenannte "Dechiffriermaschine". In unserem Experimental-Workshop können Kids und Jugendliche damit Binärtexte entschlüsseln und weiter verarbeiten.

Schreibautomaten

Schreibautomat

Ein "Abfallprodukt" der Fernschreiber waren die elektromechanischen "Textverarbeitungssysteme" (1962-64), die mit Lochstreifen und -karten als Datenträger Texte duplizieren und automatisch schreiben konnte. Eine aufwändige Technik deutscher Gründlichkeit, die sich damals nur große Firmen leisten konnten. Hier ist ein Olympia Schreibautomat mit zwei Lochstreifenlesern und einem Lochstreifenstanzer aus dem Jahre 1962 abgebildet.